Fernrohrlupenbrillen

Die Fernrohrlupenbrille wird wie die klassische Lupenbrille vor allem für den Nahbereich verwendet. Sie besteht aus einem in die Brille eingebauten Fernrohr mit einer aufgesteckten Lupe (Aufsteckglas) und erreicht eine anderthalb- bis zwölffache Vergrößerung. Eine binokulare Ausführung für beide Augen ist nur bis zu einer dreifachen Vergrößerung möglich. Manche Systeme verwenden an Stelle des Aufsteckglases eine Drehfokussierung, um mehr Flexibilität beim Sehabstand zu erhalten. Wird bei einer Fernrohrlupenbrille das Lupenglas abgenommen, kann sie zusätzlich wie eine normale Fernrohrbrille für das Vergrößern von fernen Objekten genutzt werden.

Fernrohrlupenbrillen dienen vorrangig dem Lesen und Schreiben. Ihr großer Vorteil gegenüber Lupenbrillen: Modelle mit geringer Vergrößerung können mit vergleichsweise großem Arbeitsabstand eingesetzt werden und sind so auch zum Notenlesen oder für handwerkliche Tätigkeiten geeignet. Der Abstand bei einer Galilei-Fernrohrlupenbrille ist doppelt so groß wie bei einer gleichstarken Lupenbrille, bei einer Kepler-Fernrohrlupenbrille sogar drei- bis viermal so groß. Bei einer Vierfach-Lupenbrille etwa darf der Abstand zwischen Sehhilfe und Schrift nur rund sechs Zentimeter betragen. Eine Galilei-Fernrohrlupenbrille dagegen erlaubt einen Arbeitsabstand von zwölf Zentimetern und ist damit besser zum Schreiben und Hantieren geeignet. Den Abstandsgewinn „erkauft“ man sich jedoch mit einer verringerten Übersicht.

Da Fernrohrlupenbrillen relativ schwer und kosmetisch auffällig sind, werden sie hauptsächlich zu Hause verwendet. Sie kommen vorrangig für Sehaufgaben im Nahbereich in Betracht, die sich mit einer Lupenbrille wegen des geringen Abstands nicht bewältigen lassen. Wichtig ist, den Leseabstand exakt einzuhalten, denn schon geringe Veränderungen führen zu einem unscharfen Bild. Der Augenoptiker führt daher bei der Anpassung mit dem sehbehinderten Kunden Übungen zur genauen Abstandseinhaltung durch.